Auf Norderney gibt es keinen Zeitpunkt, an dem man nicht auf Möwen trifft. Oftmals übersieht man beim Anblick dieser Vögel, dass es doch einige Arten gibt, die unterschieden werden können. Auf Norderney findet man z.B. die Lachmöwe, Schwarzkopfmöwe, Sturmmöwe, Silbermöwe und die Heringsmöwe. Letztere ist zur Zeit allerdings ausgeflogen und im Winter nicht zu finden.

Die Heringsmöwe ist durch gelbe Beinchen und ein frackartiges Federkleid gekennzeichnet. Op Platt nennt man sie auch „lüttje Manteldrager“. Doch wo sind sie hin, die kleinen Kerlchen? Gen Süden natürlich. Ab in den Urlaub nach Südfrankreich bzw. zum südwestlichen Mittelmeerraum bis an die westafrikanische Küste. Der Aufbruch erfolgt recht früh schon im Juni in überschaubar kleinen Reisegruppen und endet im November mit den letzten Nachzüglern. Ihre Artgenossen aus Skandinavien und Sibirien legen erstaunlicherweise deutlich größere Distanzen zurück. Sie reisen bis in die tropischen afrikanischen Zonen, kommen aber auch aus deutlich kälteren Gefilden.

Die Heringsmöwe ist ein noch relativ junger Besucher an Deutschlands Nordseeküsten. Erst seit ca. 1927 legen sie hier ihre Eier in Strandnester und erfreuten sich vermutlich an dem Verbot, ihre Nachkommen am Strand einzusammeln. Lange Zeit – bis in die 1970er Jahre – lag der Gesamtbestand dieser Art bei ca. 100 Paaren. Danach schien sie neue Nahrungsquellen in der offenen See und Beifang ausfindig gemacht zu haben, den ihr die anderen Möwen aufgrund ihrer hohen Flugkünste nicht streitig machten. Bis zu 100 Kilometer aufs offene Meer hinaus reichen ihre Suchflüge, die sie mit hoher Geschwindigkeit zurücklegt und letztlich mit der Technik des Stoßtauchens ihre Beute macht. Dabei geht sie so vor, dass sie aus einer Beobachtungshöhe von 10 Metern ihre Beute erspäht und anschließend aus niedrigerer Höhe von 3 Metern den finalen und tödlichen Stoß ins Wasser ausführt. Es steht aber nicht nur Fisch auf dem Speiseplan der Heringsmöwe. Auch Regenwürmer und Insekten bereichern ihr Nahrungsangebot, und diese findet sie auf ihren Streifzügen über das Festland.

Mittlerweile schätzt man den Bestand auf 100.000 Brutpaare und ein Viertel davon befindet sich in Niedersachsen, womit sie die im Wattenmeer am häufigsten anzutreffende Brutvogelart ist. Doch der Fuchs hat nicht nur die Gans gestohlen. Auch die Eier der Heringsmöwe mag er nicht verachten. Ihre Brutnester sind immer im Kolonialverband und direkt an der Küste – gerne in Dünentälern, wodurch sie etwas mehr Schutz gegen den Fuchs erreichen.