Fotograf: Frank Vassen, https://www.flickr.com/photos/42244964@N03/7916562732/, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Wir alle sehnen uns den Frühling herbei. Und mit dem Schmelzen des letzten Eises und der Rückkehr wärmerer Temperaturen kehrt auch ein ganz besonderer Vogel in das Wattenmeer von Norderney zurück: der Löffler. Er ist auch aus größerer Entfernung kaum zu übersehen, denn er ragt mit seinen 70-95 cm leicht aus der sonst flachen Wattenmeerlandschaft heraus. Zu Beginn der Brutzeit trägt er einen goldgelben Brustlatz und für die besseren Argumente während der Balz  besitzt er auch noch lange Schmuckfedern am Hinterkopf, so dass die Weibchen beeindruckt sind, sobald er diese durch Kopfbewegungen in Schwingung bringt. Man spekuliert, dass die Länge der Kopffedern Aussagen über die Fitness zulassen und damit weiblichen Vögeln einen höheren Bruterfolg versprechen. Das entsprechende Nest ist beeindruckend in seiner Größe und erinnert mit einer Höhe von 50cm an einen Warft. Dieser Hochbau schützt auch vor der Gefahr einer Überflutung. Von Fundstücken aus dem Watt bis zu normaler Vegetation und Ästen/Stöcken kann man alles in dem Nest finden. Die zunehmende Verschmutzung unserer Meere führt nun leider auch dazu, dass z.B. Netzreste und anderer Plastikmüll verbaut werden, was nicht ohne Gefahr für die Brut ist.

Doch nun zum entscheidensten Mermal dieses Vogels: sein löffelartiger Schnabel mit gelber Platte (zur Brutzeit). Er dient zur Jagd auf kleine Garnelen, die er mit pendelartigen Bewegungen des Löffels über dem Meeresboden aufscheucht und sich dann schnappt. Dies ist natürlich nur bei Niedrigwasser möglich. Zu Hochwasserzeiten fliegt er daher zu den Binnengewässern auf den ostfriesischen Inseln aber ggf. auch kilometerweit ins Binnenland. Mit derselben Technik macht er dort in Gräben Jagd auf Stichlinge und andere kleine Fische.

Nachdem dieser Vogel früher stark bejagt wurde, war er für eine ganze Zeit aus dem Raum des niedersächsischen Wattenmeeres verschwunden. Erst seit 1995 begann die erneute Besiedelung, und mittlerweile können wir auf einen Bestand von ca. 650 Brutpaaren im Nationalpark stolz sein, die sich in den geschützten Salzwiesen wohl und sicher fühlen. Zum Jahresende hin verschwinden dann wieder alle in ihre Winterquartiere in Südwesteuropa und Westafrika.